Experte für Parkinson

Rebeka kam im April 2019 zu cereneo. Die Neurologie ist für sie das interessanteste und faszinierendste Fach der Medizin, weil sich neurologische Erkrankungen so vielfältig darstellen. Sie sieht eine große Chance in der individualisierten Neurorehabilitation, die auf die spezifischen und individuellen Symptome eines Patienten zugeschnitten ist, um seine neurologischen Defizite bestmöglich zu behandeln.

Rebeka, du hast dich vom 1. April bis 31. Juni 2021 am Universitätsspital Zürich in der Behandlung von Parkinson-Patienten weitergebildet. Was war Ihre Motivation dafür?

Parkinson ist eine Krankheit, über die wir in vielerlei Hinsicht noch wenig wissen, aber es ist auch ein Bereich florierender Forschung. Mich hat vor allem Dr. Baumann-Vogel motiviert, mein Wissen über die Parkinson-Krankheit zu erweitern. Dr. Baumann-Vogel ist Spezialist für Parkinson und auch in der Forschung sehr engagiert. Sie behandelt seit einiger Zeit Parkinson-Patienten im cereneo. Bei ihrer Arbeit hier bei cereneo konnte ich schon viel von ihr lernen. Es gibt uns die Möglichkeit, Patienten mit Parkinson bei cereneo noch besser zu behandeln.

Was war der Schwerpunkt Ihrer Ausbildung?

Ich hatte die Möglichkeit, in der ambulanten Sprechstunde Parkinson am USZ zu arbeiten. In der Beratung sehen Sie ein sehr breites Spektrum der Erkrankung in ihren verschiedenen Stadien. In die Sprechstunde kommen Menschen mit Verdacht auf Parkinson, frisch operierte Patienten mit Hirnschrittmachern zur Nachsorge, aber auch Langzeitpatienten mit Dopaminpumpen oder solche, die Medikamente einnehmen.

Durch die Ausbildung hatte ich die Möglichkeit, mich mit Experten auszutauschen und habe Zugang zu den neuesten Erkenntnissen und Publikationen aus der Forschungsabteilung.

Inwieweit hilft Ihre Ausbildung bei der Behandlung von Parkinson-Patienten bei cereneo?

Die spezialisierte Ausbildung gibt uns die Möglichkeit, mehr Patienten zu behandeln, die eine Rehabilitation benötigen, nachdem sie einen Hirnstimulator erhalten haben. In der Schweiz gibt es nur wenige Rehabilitationskliniken, die eine solche Behandlung anbieten. Auch Patienten aus dem Ausland, die im eigenen Land keinen Zugang zur Rehabilitation haben, können bei uns behandelt werden. Der Fokus liegt hier auf der richtigen Einstellung von Medikamenten und Stimulationstechniken.

Die Stimulation erfolgt über einen Hirnschrittmacher. Elektroden werden in das Gehirn implantiert und können mit einem externen Gerät angepasst und feinabgestimmt werden. Neben einer intensiven Bewegungs- und Sprachtherapie helfen wir den Patienten, die Steuerung dieses Geräts zu erlernen, damit sie selbst Feineinstellungen vornehmen können. Sie lernen, welche Signale wichtig sind. Dadurch muss ein Patient nicht mehr jede Woche zur Anpassung zum Arzt, sondern kann bestenfalls alle 3 Monate die Einstellungen überprüfen lassen.

Wie kooperieren wir in Zukunft mit dem USZ in diesem Bereich?

Wir arbeiten eng mit dem USZ zusammen und stehen in regelmäßigem Austausch und behandeln oft die Patienten nach der Implantation eines Hirnschrittmachers bei cereneo. Dies gewährleistet einen nahtlosen Behandlungsübergang. Gerade nach der Implantation des Hirnschrittmachers ist die Nachsorge in der Rehabilitation enorm wichtig.

Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Die Ursache von Parkinson ist noch unbekannt und es gibt noch keine Heilung. Was genau passiert bei Parkinson?

Es gibt genetische Formen und das juvenile Parkinson, das normalerweise ab dem 30. Lebensjahr oder früher auftreten kann, und das viel häufigere idiopathische Parkinson-Syndrom. Es ist bekannt, dass die Dopaminproduktion abnimmt. Leider treten körperlich beeinträchtigende Symptome meist erst auf, wenn bereits 90 % der körpereigenen Dopaminproduktion eingestellt ist.

Warum ist die Parkinson-Krankheit so wenig bekannt?

Das ist schwer zu sagen, aber es liegt sicher nicht an mangelnder Forschung. Es ist eine äußerst komplexe Krankheit. Es ist auch schwierig, Vorsorge zu treffen. Grundsätzlich sind jedoch eine gesunde Ernährung und Bewegung hilfreich, um Parkinson zumindest in einer schweren Form vorzubeugen, aber das ist natürlich keine Garantie.

Was sind typische erste Symptome der Parkinson-Krankheit? Und wie wird es diagnostiziert?

Relativ neue Erkenntnisse zeigen, dass Störungen nichtmotorischer Funktionen früher auftreten, wie unter anderem Sprechen im Schlaf oder Schlafwandeln, Inkontinenz, Depressionen, Angstzustände, Schmerzen, Schwindel und Geruchsverlust. Die körperlichen Symptome kommen viel später, wie Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen und die typische Gesichtsmaskierung. Gerade bei den nicht-motorischen Funktionen können Angehörige frühzeitig Alarm schlagen. Natürlich gibt es spezielle diagnostische Verfahren, mit denen die Krankheit erkannt werden kann, wie eine Hirnszintigraphie (DaT-Scan). Generell sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Welche Möglichkeiten haben Betroffene, den Alltag zu erleichtern?

Physiotherapie einmal pro Woche ist sehr wichtig. In Zürich gibt es Parkinson-Gruppen. Der Austausch unter Betroffenen hilft sehr. Patienten können sich gegenseitig Tipps und Ratschläge geben. In Zürich gibt es zum Beispiel spezielle Aktivitäten für Parkinson-Patienten wie Tangotanzen oder spezielle Gymnastikkurse.

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei frühzeitiger Diagnose deutlich verlangsamen?

Ja, das ist sehr gut möglich, je früher Parkinson diagnostiziert wird, desto besser. Mit einer frühzeitigen Behandlung können Sie das Auftreten schwerer Symptome um Jahre hinauszögern. Es ist jedoch nicht möglich, die Symptome vollständig zu verhindern.
Eine präzise Medikation ist sehr schwierig und braucht Zeit. Die Krankheit hat sehr individuelle Verläufe, daher ist eine Standardisierung der Behandlung schwierig, kein Patient gleicht dem anderen und daher ist eine maßgeschneiderte Therapie entscheidend.
Das Umfeld für Parkinson-Patienten ist sehr wichtig und eine langfristige Behandlung beim selben Arzt sollte ermöglicht werden. Es ist zwingend erforderlich, Angehörige in die Therapie einzubeziehen. Je besser der Arzt den Patienten kennt, desto besser kann die Behandlung auf die spezifischen Bedürfnisse jedes Patienten zugeschnitten werden.

Wie wichtig ist eine ungeduldige Rehabilitation?

Gerade nach der Implantation eines Hirnschrittmachers ist ein Reha-Aufenthalt wichtig, um den Patienten darauf einzustellen und die Feinjustierung selbst erlernen zu können. Generell halte ich es für sehr wichtig, etwa alle 1-2 Jahre einen Reha-Aufenthalt zu machen. Neben Sprachtraining und psychologischer Betreuung kann ein Rehabilitationsaufenthalt zu einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten beitragen. Auch eine individuelle und intensive Bewegungstherapie mit Gang- und Gleichgewichtsschulung ist sehr wichtig. Ein Aufenthalt von 3-4 Wochen bringt deutliche Verbesserungen.

Kann der Verlauf von Parkinson durch regelmäßige Reha-Aufenthalte verlangsamt werden?

Absolut. Eine intensive Rehabilitation führt zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität.

Gibt es neue Behandlungsmöglichkeiten, um das Fortschreiten von Parkinson einzudämmen?

Die derzeit beste Behandlung ist die Tiefenhirnstimulation mittels Hirnschrittmacher oder Medikamenten. In Bezug auf Medikamente werden regelmäßig verbesserte Formeln auf den Markt gebracht.
Das Neueste in der Parkinson-Forschung ist der MR-geführte fokussierte Ultraschall, der sehr gut zur Behandlung von Tremor eingesetzt werden kann, aber dies ist nur ein Symptom von vielen.

Was empfehlen Sie einem Parkinson-Patienten, wenn er unsere Klinik nach einem Reha-Aufenthalt verlässt?

Ich empfehle eine weitere Behandlung bei einem Neurologen, der Experte für Morbus Parkinson ist. Für Patientinnen und Patienten aus dem Raum Zürich ist die ambulante Parkinson-Sprechstunde des USZ natürlich eine gute Wahl. Auch nach dem Rehabilitationsaufenthalt muss die Medikation häufig angepasst und auch auf die nicht-motorischen Symptome geachtet werden. In jedem Fall sollte die Physiotherapie mindestens 1x pro Woche ambulant, bei einem hausnahen Therapeuten oder mit Teletherapie fortgesetzt werden.

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