Blog, News & Downloads

Sprachtherapie und Hörverlust

Diese Woche, vom 10. bis 16. Juni 2019, ist die Internationale Männergesundheitswoche: eine Woche, in der wir besonderes Augenmerk auf gesundheitliche Aspekte und Risikofaktoren bei Männern legen. Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen treten bei allen Arten von Hirnschädigungen auf. Einschränkungen in der Kommunikation, im Hörvermögen und bei der Nahrungsaufnahme mindern die Lebensqualität erheblich.

 

Bis zum 40. Lebensjahr tritt reine Taubheit häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Danach steigt die Taubheitsrate bei Frauen. Statistiken zu angeborener oder pränatal bedingter Taubheit zeigen etwas mehr Fälle bei Männern, ebenso wie Statistiken zu Taubheit in Verbindung mit Sprachstörungen oder geistigen Beeinträchtigungen, bei denen die Zahlen bei Männern etwas höher sind als bei Frauen. Anders verhält es sich bei Menschen mit Hörbeeinträchtigungen.

 

Gibt es also Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf Hörbeeinträchtigungen? Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Gebrauch ihrer Stimme? Antworten auf einige dieser Fragen finden Sie im folgenden Artikel von Karl Heinz-Beck, Sprachtherapeut bei cereneo .

 

Werden Männer früher taub als Frauen?

 

Bei Menschen mit Hörbeeinträchtigungen sind die Zahlen von Männern bis zu älteren Menschen durchweg höher als die von Frauen. Besonders deutlich wird der Unterschied jedoch in der Altersgruppe der 65- bis 75-Jährigen: Hier ist die Zahl der Männer, die erst kürzlich eine Hörbeeinträchtigung entwickelt haben, bis zu einem Drittel höher als die der Frauen. Erst bei den über 75-Jährigen verschiebt sich das Verhältnis wieder zugunsten der Frauen.

 

Auch wenn die Zahl der Hörbeeinträchtigungen, die durch Arbeit, Verkehr oder Unfälle im Haushalt sowie andere Arten von Unfällen verursacht werden, bei Männern deutlich höher ist, verblasst sie im Vergleich zu den Fällen von Hörbeeinträchtigungen von Geburt an oder infolge von Krankheit und anderen nicht ausreichend definierten Ursachen: 252.000 Fälle gegenüber etwa 1.400 Fällen.

 

Im Hinblick auf Hörbeeinträchtigungen lässt sich somit schlussfolgern, dass Männer früher und häufiger betroffen sind. Laut Statistik ist es kaum plausibel, dies auf berufsbedingte oder unfallbedingte Ereignisse zurückzuführen. Genetische Faktoren (Erblichkeit oder Veranlagung infolge einer Erkrankung) scheinen deutlich dominanter zu sein (Quelle: Kennzahlen des Statistischen Bundesamtes, Abteilung Gesundheit Deutschland).

 

Worin besteht der Unterschied zwischen Männern und Frauen beim Gebrauch ihrer Stimme?

 

Betrachtet man die reine Funktion der Stimme, so gibt es praktisch keine Unterschiede. In diesem Zusammenhang verfügen Männer und Frauen über dieselben grundlegenden anatomischen Strukturen und teilen dieselben physiologischen Prozesse.

 

Der Luftstrom durch die Stimmritze (ob bewusst oder emotional/reflektiert) versetzt die Stimmbänder in mehr oder weniger rhythmisch-zyklische Schwingungen. Diese Schwingungen, sowohl als Vielfache einer Grundfrequenz als auch in unterschiedlicher Intensität, durchlaufen den Vokaltrakt. Der Vokaltrakt kann als Filtersystem betrachtet werden, das verschiedene Frequenzen verstärkt oder abschwächt und somit die Grundlage für die Artikulation menschlicher Vokale und Vokalvariationen bildet. Schließlich sind Vokale die grundlegenden und wichtigsten Bestandteile der menschlichen Stimme und diejenige Stimmfunktion, die am wenigsten von der Artikulation beeinflusst wird.

 

Prosodische Optionen wie die bewusste Veränderung von Klang und Qualität der Stimme, Tonhöhe und anderen Aspekten sind nicht geschlechtsgebunden. Jeder Mensch verfügt jedoch über einen anatomisch definierten Raum, in dem diese Variationen möglich sind. Die Nutzung und die Freiheit, diese Optionen zu nutzen (oder nicht zu nutzen), steht Männern wie Frauen gleichermaßen offen.

 

Haben Sie den Eindruck, dass Männer den Verlust der Sprachfähigkeit und des Hörvermögens schwerer akzeptieren können?

 

Die „Akzeptanz des Sprachverlusts“ hängt wahrscheinlich von mehreren Faktoren ab.

 

– Der Schweregrad der Sprachbeeinträchtigung

– Die prämorbide Bedeutung der Sprache für die Betroffenen

– Persönliche Kontextfaktoren

 

Die Frage, welche Faktoren bei Sprachverlust am wichtigsten sind, lässt sich nur individuell beantworten. Vermutlich würde ich den persönlichen/familiären Kontextfaktoren die größte Bedeutung beimessen – insbesondere bei schwerem, vollständigem Sprachverlust. Soziale und persönliche Sicherheit (also ein Gefühl der Geborgenheit) scheint für Männer und Frauen gleichermaßen wichtig zu sein.

 

Meines Wissens gibt es keine therapeutischen Ansätze – weder linguistische noch pragmatisch-kommunikative –, die eine Unterscheidung zwischen der Behandlung von Männern und Frauen begründen oder empfehlen. Dennoch möchte ich vorschlagen, der (maximal intensiven) Behandlung von Patienten im Rahmen der Akutrehabilitation besondere Bedeutung beizumessen. In dieser Phase geht es darum, das Potenzial für konkrete Heilung, Wiederherstellung und Verbesserung der Funktionalität voll auszuschöpfen.

CERENEO PREVENTION