Neue Wege zur Verbesserung der neurologischen Rehabilitation mit nicht-invasiver Hirnstimulation

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Interview mit Dr. Meret Branscheidt, Medizinische Direktorin Hertenstein bei cereneo und Expertin für die NIBS-Behandlung (NIBS = Non invasive brain stimulation) in der Rehabilitation.

 

Wir hatten in den letzten Monaten eine Reihe von Patient*in, die explizit zur Rehabilitation in unsere Klinik kamen, weil wir mit dir eine Expertin für NIBS-Behandlungsmethoden haben.

Könntest du für Nicht-Mediziner erklären, was eine nicht-invasive Hirnstimulation ist?

Die nicht-invasive Hirnstimulation ist ein innovativer und sicherer Behandlungsansatz, bei dem das Gehirn stimuliert wird, um die Erregbarkeit eines ausgewählten Teils des Gehirns zu erhöhen und so das Sprechen, die Bewegung oder die Wahrnehmung zu verbessern. Wenn NIBS mit einem intensiven und individuellen Rehabilitationsprogramm kombiniert wird, kann sie zu besseren und schnelleren Erfolgen in der Therapie führen.
Bei der Stimulation des Gehirns gibt es zwei Ansätze. Wir können entweder den geschädigten Bereich des Gehirns stimulieren, um die betroffene Funktion wiederherzustellen, oder einen anderen Bereich stimulieren, um den Verlust einer Funktion zu kompensieren. Welcher Ansatz der bessere ist, hängt vom einzelnen Patienten und dem Grad der Schädigung ab.
Unser übergeordnetes Ziel bei cereneo ist es, so viele betroffene Funktionen wie möglich wiederherzustellen, um die Lebensqualität unserer Patient*in zu verbessern und ihnen ihre Unabhängigkeit zurückzugeben.

 

Gibt es verschiedene NIBS-Behandlungen

Es gibt zwei verschiedene Behandlungsmethoden, TMS und tDCS. TMS steht für Transkranielle Magnetstimulation. TMS wird in der Regel direkt vor einer Therapiesitzung durchgeführt und nutzt ein Magnetfeld, um einen bestimmten Bereich des Gehirns elektrisch zu stimulieren. Eine Stimulatorspule wird über den Kopf gehalten, wo die Spule einen kurzen magnetischen Impuls erzeugt, der eine kleine elektrische Reaktion im Gehirn hervorruft. Die Sitzungen dauern in der Regel etwa 20 Minuten und schliessen sich unmittelbar an die individuelle Therapie an, die über einen Zeitraum von 2-3 Wochen mehrere Tage lang wiederholt wird.
tDCS steht für transkranielle Gleichstromstimulation. Sie nutzt schwache elektrische Ströme, um das Gehirn zu stimulieren. Die Behandlung erfolgt während der individuellen Therapiesitzung mit zwei kleinen feuchten Schwammelektroden, die mit einem Kopfband auf dem Kopf des Patient*in angebracht werden. Der Strom fliesst von einer Elektrode zur anderen und stimuliert so das Gehirn. Beide haben das übergeordnete Ziel, eingesetzt in Kombination mit einer intensiven und massgeschneiderten Rehabilitation, die Wirksamkeit der Therapie zu erhöhen und so die Genesung zu verbessern. Die beiden Ansätze unterscheiden sich darin, wo (Teil des Gehirns) und wie (stimulieren oder hemmen) sie angewendet werden und in welcher Intensität. Welcher Ansatz verwendet wird, hängt stark von der Ursache und dem Grad der Beeinträchtigung ab. Beide haben das übergeordnete Ziel, eingesetzt in Kombination mit einer intensiven und massgeschneiderten Rehabilitation, die Wirksamkeit der Therapie zu erhöhen und letztlich die Genesung zu verbessern.
Je nach Ursache und Grad der Beeinträchtigung, dem Ort der Hirnschädigung und anderen patientenspezifischen Faktoren wählen wir einen der beiden Ansätze mit einem maßgeschneiderten Protokoll in Bezug darauf, wo (Teil des Gehirns) und wie (stimulieren oder hemmen) sie angewendet werden und in welcher Intensität.

 

Was sind die langfristigen Auswirkungen für einen Patient*in?

Patient*innen, die sich einer NIBS-Behandlung als Teil eines ganzheitlichen Rehabilitationsprogramms unterziehen, erholen sich in der Regel besser und schneller. Sie zeigen vor allem grössere Verbesserungen beim Sprechen, bei der Aufmerksamkeit und bei der Wortfindung. Bei Schlaganfallpatient*innen sehen wir oft einen sehr positiven Effekt bei der Verringerung des Neglekts.

Gibt es bei einer NIBS-Behandlung irgendwelche negativen Nebenwirkungen?

NIBS ist schmerzfrei und sicher mit sehr geringen Nebenwirkungen und wurde bereits bei Tausenden von Menschen auf der ganzen Welt angewendet. In seltenen Fällen kann die TMS Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Hörverlust und Übelkeit verursachen. Kurzzeitige Krampfanfälle wurden seit 1990 bei etwa 10 Menschen weltweit gemeldet. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass TMS zu einem Krampfanfall führt, wird der Patient*in sofort medizinisch betreut.
Die tDCS kann in seltenen Fällen sehr geringe Nebenwirkungen wie Juckreiz, Kribbeln und Brennen sowie vorübergehende Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Schwindel hervorrufen.
Um Nebenwirkungen zu minimieren, ist es wichtig, dass eine erfahrene Expertin den Patienten vor einer NIBS-Behandlung gründlich untersucht, was wir bei cereneo immer tun.

 

Welche neurologischen Krankheiten oder Störungen kann man am besten mit NIBS behandeln?

In der Rehabilitation nutzen wir diesen Ansatz, um unseren Patient*innen zu helfen, eine Vielzahl von Hirnfunktionen zu verbessern, die durch Krankheiten wie Schlaganfall, traumatische Hirn- oder Rückenmarksverletzungen, Sprach- und Kommunikationsstörungen (Aphasie) sowie Bewegungsstörungen beeinträchtigt sind.

 

Welche Patient*innen profitieren am meisten von einer NIBS-Behandlung?

Meiner Erfahrung nach können alle Patient*innen, die sich einer NIBS-Behandlung unterziehen, von ihr profitieren. Entscheidend ist jedoch, dass der Patient*in motiviert ist und sich voll auf die Therapie einlässt. NIBS wird im Rahmen einer intensiven stationären Rehabilitation durchgeführt, die durch Sprach- und Bewegungstherapie ergänzt wird. Um herauszufinden, ob NIBS eine geeignete Behandlung für einen Patienten ist, bieten wir eine Online-Konsultation mit einem neurologischen Experten an, der über die Therapiemöglichkeiten berät.

 

Welche Erkrankungen behandeln wir bei cereneo?

Bei cereneo behandeln wir hauptsächlich Schlaganfallpatient*innen, aber auch Patient*innen mit Rückenmarksverletzungen, Schädel-Hirn-Traumata sowie Sprachstörungen unterschiedlicher Ursache.

 

Kann NIBS eine «reguläre» Rehabilitation ersetzen?

Die Antwort ist klar mit NEIN zu beantworten. Es ist absolut wichtig, dass die Therapie kombiniert wird mit einem intensiven und personalisierten Rehabilitationsprogramm. Das eine ohne das andere funktioniert nicht.

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