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Gut schlafen, besser leben: Die Neuropsychologie der Ruhe

Ein Interview mit Neuropsychologe und Somnologe Marcel Burkard am Weltschlaftag 2026

Zur Feier von WeltschlaftagWir erkunden das diesjährige Thema: „Schlaf gut, lebe besser.“ Wir bei cereneo verstehen, dass Schlaf nicht nur eine Phase der Inaktivität ist; er ist ein komplexer neurologischer Prozess, der für die Erholung, die kognitive Funktion und die emotionale Widerstandsfähigkeit unerlässlich ist.  

Um mehr über die Wissenschaft des Schlafs zu erfahren, sprachen wir mit unserem Neuropsychologen und Somnologen Marcel darüber, wie wir unsere Tage optimieren können um unsere Nächte erholsamer zu gestalten. 

 

Wie können wir wirklich „gut schlafen, um besser zu leben“? 

Das ist eine entscheidende Frage, denn Schlaf ist die Grundlage unserer Leistungsfähigkeit im Wachzustand. Betrachtet man den Schlaf aus klinischer Sicht, konzentriert man sich auf drei „entscheidende Faktoren“: ausreichende Dauer, hohe Qualität und gleichbleibende Zeiteinteilung. 

Der wichtigste Perspektivwechsel ist jedoch folgender: Gesunder Schlaf beginnt nicht erst in der Nacht, sondern in dem Moment, in dem man aufwacht. 

Um Ihre innere Uhr zu stabilisieren und einen tiefen, erholsamen Schlaf zu fördern, verweist die Schlafmedizin auf einige wissenschaftlich fundierte Säulen, die jeder umsetzen kann: 

  • Timing-KonsistenzIhr Gehirn braucht Vorhersehbarkeit. Regelmäßige Schlafens- und Aufstehzeiten bringen Ihren zirkadianen Rhythmus in Einklang und erleichtern Ihnen das natürliche Ein- und Aufwachen. 
  • Dem Licht nachjagenDie morgendliche Tageslichtexposition ist ein starkes biologisches Signal. Natürliches Licht hilft, die innere Uhr „zurückzusetzen“, was wiederum einen festeren, ungestörten Schlafzyklus in der darauffolgenden Nacht fördert. 
  • Aktiver TagKörperliche Aktivität wirkt auf natürliche Weise beruhigend. Schon leichte Bewegung tagsüber verbessert nachweislich die Schlaftiefe und -qualität deutlich. 
  • AbendroutineIhr Gehirn braucht eine Brücke zwischen der hohen Reizintensität des Tages und der Ruhe der Nacht. Wir empfehlen, kognitive und digitale Reize mindestens 60 Minuten vor dem Schlafengehen zu reduzieren. 
  • Schlafzimmer-EinrichtungSchließlich muss Ihre Umgebung Ihre biologischen Bedürfnisse unterstützen. Ein kühler, dunkler und ruhiger Raum hilft Ihrem Nervensystem, sich zu erholen. 

 

Welche Schlafprobleme unser Patienten sehen sich typischerweise nach einem neurologischen Ereignis wie einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma mit folgenden Problemen konfrontiert? 

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Schlafstörungen lediglich „Nebenwirkungen“ einer neurologischen Erkrankung seien. Tatsächlich sind sie oft ein zentraler Bestandteil der Erkrankung selbst. Ob Schlaganfall, Parkinson oder Schädel-Hirn-Trauma – die Fähigkeit des Gehirns, den Schlaf zu regulieren, ist häufig gestört. 

Wir sehen typischerweise fünf zentrale Herausforderungen bei unseren Patienten: 

Schlaflosigkeit: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, oft bedingt durch Veränderungen der Gehirnchemie, den Krankenhausalltag oder die emotionale Belastung durch die Genesung. 

Gestörter Schlaf-Wach-RhythmusEine Schädigung der inneren Uhr des Gehirns (des SCN) kann dazu führen, dass Patienten tagsüber übermäßig schlafen, was leider ihren Schlaf in der Nacht beeinträchtigt. 

AtemwegserkrankungenErkrankungen wie Schlafapnoe treten nach einem Schlaganfall erstaunlich häufig auf. Unbehandelt können sie die kognitive Erholung beeinträchtigen und das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. 

Unruhige GliederUnwillkürliche Bewegungen können verhindern, dass ein Patient einen entspannten Zustand erreicht, was zu einem fragmentierten Schlaf führt, dessen sich der Patient möglicherweise gar nicht vollständig bewusst ist. 

Exzessive TagesschläfrigkeitEs handelt sich dabei häufig um eine komplexe Mischung aus der Hirnverletzung selbst, den Auswirkungen der Medikamente und der schlechten Schlafqualität in der Nacht. 

 

Wie gehen Sie bei cereneo mit diesen komplexen Erkrankungen um? 

Wir betrachten den Schlaf als eine Säule der Neurorehabilitation, nicht als eine Nebensache. Unser Ansatz ist systematisch. 

Es beginnt mit einem sorgfältigen Screening-Prozess, bei dem wir gezielte Fragebögen und präzise Messungen, wie beispielsweise die Pulsoximetrie, einsetzen, um mögliche Warnzeichen frühzeitig zu erkennen. Deuten diese ersten Befunde auf ein tieferliegendes Problem hin, führen wir eine detailliertere Untersuchung der Nacht mittels Polysomnographie durch. Dadurch können wir genau beobachten, was im Gehirn und Körper des Patienten während des Schlafs geschieht. 

Sobald wir diese Daten haben, verfolgen wir einen zweigleisigen Ansatz. Wir setzen kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ein, um Patienten dabei zu helfen, dysfunktionale Denkmuster und Einstellungen zu verändern, die ihren Schlaf beeinträchtigen können. Gleichzeitig optimieren wir ihre körperliche Verfassung Ruheumgebung um sicherzustellen, dass es die Genesung aktiv fördert. 

Wir erleben täglich, wie diese integrierte Versorgung das Leben vieler Menschen verändert. Ich erinnere mich an einen Fall, in dem ein Schlaganfallpatient glaubte, die ganze Nacht durchzuschlafen, aber während seiner Therapiesitzungen tagsüber völlig erschöpft war. Nach einer Schlafuntersuchung stellten wir fest, dass er an schwerer Schlafapnoe litt. Sobald er mit der CPAP-Therapie begann, verbesserte sich seine Wachheit nicht nur – sie veränderte sich grundlegend. Plötzlich hatte er die nötige körperliche und geistige Energie, um sich voll und ganz auf sein Rehabilitationstraining einzulassen. 

 

Wie geht das? Wir Wie lassen sich Schlafpläne an unterschiedliche Lebensstile anpassen und gleichzeitig nachhaltige Routinen gewährleisten? 

Wir müssen die Schlafzeiten so anpassen, dass eine optimale Teilnahme an der Rehabilitation tagsüber möglich ist. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass die Empfehlungen realistisch und kultursensibel sein müssen. Die Umstellung des im Laufe des Lebens entwickelten Schlaf-Wach-Rhythmus braucht Zeit. Wir setzen Hilfsmittel wie Melatonin und Therapielampen ein, um diese Rhythmen zu beschleunigen oder zu verzögern. Unser Ansatz basiert jedoch stets auf drei grundlegenden Fragen: 

  • Was ist biologisch notwendig? 
  • Was ist realistisch nachhaltig? 
  • Was ist diesem speziellen Patienten am wichtigsten? 

 

Wir streben nicht nach Perfektion, sondern nach Stabilität. Ich habe beispielsweise einen Patienten behandelt, der unbedingt die Spätnachrichten sehen wollte, weil es seine lebenslange Gewohnheit war. Anstatt es ihm zu verbieten – was wahrscheinlich gescheitert wäre –, haben wir die Bildschirmhelligkeit angepasst, seine Aufstehzeit leicht verschoben und seine Lichtexposition am nächsten Morgen optimiert. 

 

Technologie ist allgegenwärtig – von Wearables bis hin zu intelligenten Schlaftrackern. Wie helfen diese Geräte? unser Patienten und welche Einschränkungen gibt es? 

Technologie ist ein wertvolles Hilfsmittel in unserer klinischen Praxis, muss aber gezielt eingesetzt werden. Daten ohne fachkundige Interpretation sind oft irreführend. Eine deutsche Studie hat sogar gezeigt, dass diese Geräte Schlafstörungen nur mäßig zuverlässig erkennen und häufig Fehlalarme auslösen. Wir bei cereneo raten unseren Patienten, Technologie als Orientierungshilfe und nicht als Entscheidungshilfe zu betrachten. Sie kann die Verhaltenskonstanz, die die Grundlage für einen erholsamen Schlaf bildet, nicht ersetzen. 

 

Das diesjährige Motto erinnert uns daran, dass „Schlaf ein Bedürfnis und kein Luxus ist“. Welche alltäglichen Gewohnheiten haben den größten Einfluss auf den Schlaf? unser Das wahre Leben der Patienten? 

Diese Formulierung trifft den Nagel auf den Kopf. In unserer täglichen klinischen Praxis sehen wir, dass die wichtigste Lektion in Sachen Schlaf die Regelmäßigkeit ist. Für Patienten ist es oft schwer zu verstehen, dass der Versuch, stärker einzuschlafen, die Situation meist nur verschlimmert. Stattdessen führt ein stabiler Tagesrhythmus tatsächlich zu erholsamem Schlaf. 

Wir konzentrieren uns auf einige wenige Schlüsselgewohnheiten, die einen großen Einfluss auf den Alltag haben. Dazu gehört, innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufwachen natürliches Licht oder künstliches Licht zu nutzen und eine regelmäßige Aufstehzeit beizubehalten, auch nach einer unruhigen Nacht. Tagsüber raten wir unseren Patienten, schwere Abendmahlzeiten und späten Koffeinkonsum zu vermeiden. Obwohl Nickerchen in der Neurorehabilitation oft notwendig sind, versuchen wir, sie auf unter 30 Minuten zu begrenzen, um den Schlaf nicht zu beeinträchtigen. 

Wir beobachten immer wieder, dass sich mit zunehmendem Schlaf die Stimmung der Patienten stabilisiert, ihre Aufmerksamkeit steigt und sich ihr Gedächtnis festigt. Ihre körperliche Ausdauer und Motivation nehmen zu, denn Schlaf ist keine passive Erholung, sondern aktive Regeneration des Gehirns. Insbesondere nach einer neurologischen Verletzung wirkt Schlaf therapeutisch und bietet dem Gehirn die notwendigen biologischen Bedingungen, um sich zu reorganisieren, zu heilen und anzupassen. 

Bei cereneo sehen wir Schlaf als einen unverzichtbaren Partner auf dem Weg zu Unabhängigkeit und Gesundheit. Ob Sie sich von einem neurologischen Ereignis erholen oder einfach Ihr tägliches Wohlbefinden steigern möchten. 

 

CERENEO PREVENTION