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Dysphagie in der Neurorehabilitation

„Als Dysphagie-Expertin ist Ilka Alexandra Dähn stets an der Weiterentwicklung von Therapiemethoden für Schluckstörungen interessiert.“

 

Etwa jeder zweite Patient in der Neurorehabilitation leidet unter Schluckbeschwerden. Diese werden auch als Dysphagie bezeichnet und treten häufig nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung auf. Am 13. März, dem Weltschlucktag, rücken Schluckstörungen in den Fokus der Öffentlichkeit.

 

 

Im folgenden Interview mit der Leiterin der Sprachtherapie, Ilka Alexandra Dähn, erklären wir, was Schluckbeschwerden bedeuten, was dabei im menschlichen Körper physisch passiert und welche Therapien zur Behandlung dieser Störung angeboten werden können.

 

 

Was kann aus medizinischer Sicht Schluckbeschwerden verursachen?

 

 

Patienten können nach einem Schlaganfall Schluckbeschwerden haben, da das Schlucknetzwerk gestört sein kann. Je nach Ausmaß der Beeinträchtigung können verschiedene Bereiche betroffen sein. In der Sprachtherapie wird zwischen unbewusstem und willkürlichem Schlucken unterschieden. Der Schluckreflex lässt sich – einmal ausgelöst – nicht mehr willentlich steuern und wird bei jedem Menschen unterschiedlich ausgelöst.

 

 

Schluckstörungen können durch zentrale Erkrankungen der Großhirnrinde oder des Hirnstamms verursacht werden, aber auch periphere Ursachen können den Schluckvorgang beeinträchtigen. Die Schluckmuskulatur wird zentral durch eine mehrdimensionale Hierarchie von Schluckzentren in der Großhirnrinde und im Hirnstamm koordiniert.

 

 

Die Hirnrinde spielt eine wichtige Rolle bei der Einleitung des willkürlichen Schluckens in allen vier Phasen des Schluckvorgangs. Der Schluckvorgang kann durch sensorische Rückmeldungen aus den Rachenstrukturen beeinflusst werden (der Rachen ist sowohl Teil des Verdauungs- als auch des Atmungssystems)

 

Was bedeutet es, wenn ein Patient nach einem Schlaganfall Schluckbeschwerden hat? 

 

„Von etwa 100 Schlaganfallpatienten leiden 50–60 % unter Schluckbeschwerden wie Würgen, Husten nach dem Essen oder Trinken, feuchter Stimme, Räuspern, steckengebliebener Nahrung und Lungenentzündung. Bei etwa 20 % dieser Patienten kommt es zu einer Lungenentzündung.“ AspirationspneumonieBei einigen Dysphagiesymptomen besteht die Möglichkeit einer spontanen Rückbildung der Dysphagie.

 

Das Dysphagiemanagement ist ein interprofessionelles Konzept, das Prozesse, Standards, Leitlinien, Evaluationen und Re-Evaluationen umfasst: eine Art Qualitätsmanagement für Patienten mit Dysphagie. Innerhalb der ersten zwei Wochen erfahren etwa 90 % der Patienten eine deutliche Verbesserung ihrer Schluckfunktion, jedoch leiden etwa 11–50 % der Patienten auch nach sechs Monaten noch unter Dysphagie.

 

Deshalb sollten Patienten mit Dysphagie stets eine spezifische Dysphagie-Therapie erhalten, die gegebenenfalls in die Rehabilitation integriert werden sollte. Denn das Muskelsystem schwächt sich bei Nichtgebrauch ab, was zu Muskelatrophie (Zelletatrophie) führt. Man sollte nicht auf eine spontane Heilung hoffen, sondern unverzüglich mit der Therapie beginnen

 

Was ist das Schlimmste, was passieren kann, und welche Auswirkungen kann dies auf einen Patienten haben? 

 

 

„Im schlimmsten Fall kann es zu einer Aspirationspneumonie kommen: einer durch Schluckstörungen verursachten Infektion, die zu starker Erschöpfung und einem sehr schlechten Allgemeinzustand der Patienten führt. In diesem Fall benötigen die Patienten eine spezielle, energiereiche Ernährung, können aber aufgrund ihrer Schluckstörung nicht normal essen und trinken. Sie können ihren Grundbedarf nicht decken, was wiederum zu Mangelernährung, Dehydrierung und weiteren Infektionen führt.“.

 

 

Zu den sozialen Folgen gehören Isolation und Depressionen, die dadurch entstehen, dass Essen ohne Ersticken und Husten nicht möglich ist. Ihre Lebensqualität sinkt

 

Welche Therapieform wird eingesetzt, um die Schluckfähigkeit nach einem Schlaganfall zu verbessern? 

 

 

„Es gibt verschiedene Therapieansätze. Diese sollten individuell auf das Störungsmuster abgestimmt und während der Behandlungsphase regelmäßig angepasst werden. Die Dysphagiebehandlung sollte spezifische Schluckuntersuchungen sowie Untersuchungen der kognitiven und kommunikativen Funktionen umfassen, um kompensatorische und rehabilitative Maßnahmen festzulegen.“.

 

 

In der Diagnostik werden vier Hauptsymptome unterschieden: Nahrungsverlust, Nahrungsretention, Nahrungspenetration und Aspiration. Das schwerwiegendste Symptom ist die Aspiration, die vor, während oder nach dem Schlucken auftreten kann. Prä-Deglutitive Aspiration kommt am häufigsten bei Schlaganfallpatienten vor. In diesem Fall wird die Nahrung vor dem Schlucken aspiriert.

 

 

Die klinische Untersuchung sollte durch eine instrumentelle Untersuchung ergänzt werden. Dies kann eine flexible endoskopische Ultraschalluntersuchung (FEES) oder eine Videofluoroskopie sein. Mithilfe der Untersuchungsergebnisse lässt sich das Aspirationsrisiko bestimmen und eine geeignete Therapie einleiten. Selbst wenn der Patient nicht hustet, kann es zu einer Aspiration gekommen sein (stille Aspiration).

 

 

Funktionelle Therapie bietet stimulierende Maßnahmen wie Veränderungen der Körperhaltung, Manöver und Techniken sowie Veränderungen der Nahrungskonsistenz. Diese Augenbewegungen stärken den Schluckmechanismus, verbessern den Bolustransport und verringern das Aspirationsrisiko

 

Was gibt es Neues in der Schlucktherapie?

 

 

Studien haben gezeigt, dass die transkranielle Magnetstimulation (TMS) die Schluckreaktion verbessert und dadurch weniger Speisereste und niedrigere Aspirationswerte verursacht. Die elektrische Stimulation wird zur Unterstützung der funktionellen Therapie und zur verstärkten Stärkung der Schluckmuskulatur eingesetzt.

 

Derzeit laufen erste Studien zur Evaluierung elektrischer Geräte, die Patienten dabei helfen, ihre Schluckmuster selbst zu überwachen und zu korrigieren, sowie Versuche, die nicht betroffene Hirnhälfte zu stimulieren, um Patienten zu ermutigen, mehr Funktionen selbst zu übernehmen

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