Aufgeben war nie eine Option

Katrin Haberzettl (cereneo Mitarbeiterin) interviewt Claudia Ramstein (Patientin): Ich habe Frau Ramstein bei ihrem zweiten Aufenthalt bei uns in Hertenstein im Mai 2021 kennengelernt. Ihr Schicksal hat mich berührt und ich musste immer wieder an sie denken, gleichzeitig hat sie mich sehr beeindruckt und ich wollte mehr über den Weg dieser außergewöhnlichen Frau erfahren.

 

Claudia Ramstein ist 42 Jahre alt, geschieden und Mutter von zwei Kindern (7 und 12 Jahre alt), mit denen sie im Kanton Zürich lebt. Frau Ramstein hat einen angeborenen Herzfehler und trägt seit ihrem 14. Lebensjahr einen Herzschrittmacher, mit dem sie ein ganz normales Leben führte. Im März 2020 musste der Herzschrittmacher ausgetauscht werden.

 

Frau Ramstein, warum sind Sie in die Reha gekommen?

Im März 2020 musste ich am USZ operiert werden. Während der Operation erlitt ich einen Schlaganfall. Zuerst dachte das OP-Team, ich sei zu stark betäubt, weil ich nach der Operation nicht aufwachte, aber nachdem verschiedene Maßnahmen nicht halfen, mich aufzuwecken, stellten die Ärzte in einem CT-Scan fest, dass ich einen Schlaganfall hatte.

 

Wie stark waren Sie vom Schlaganfall betroffen?

Nach 2 oder 3 Tagen bin ich auf der Intensivstation im USZ aufgewacht. Ich konnte nicht sprechen und war rechtsseitig gelähmt. Ich habe zuerst gar nicht gemerkt, dass ich nicht sprechen kann. Ich verstand alles, wenn mich jemand ansprach und auch antwortete, aber da niemand auf meine Antworten reagierte, merkte ich, dass ich keine Laute bilden konnte. Dann bei einem Besuch – ca. 5 Tage nach der OP – formte ich meinen ersten Sound. Nach etwa einer Woche bin ich vom USZ ins cereneo zur Reha gegangen.

 

Was hat das für Sie und Ihre Familie bedeutet? Welche Hilfe hast du bekommen?

Meine 12-jährige Tochter dachte, ich sei tot. Meine Kinder konnten mich wegen des ersten Corona-Lockdowns nicht besuchen. Mein Bruder hat es mir per Videoanruf ermöglicht, meine Kinder zu sehen. Ich konnte mit ihnen sprechen und ihnen mit der linken Hand Zeichen geben, damit sie wussten, dass ich noch da war. Meine Eltern und mein Bruder haben sich in dieser Zeit sehr liebevoll um sie gekümmert.

 

Was hat Ihnen während der Reha am meisten geholfen?

Ich hatte jeden Tag viel Therapie, besonders die Logopädie war enorm wichtig für mich, da ich nicht sprechen konnte. Mit Corona war es allerdings sehr schwierig. Da die Logopädin eine Maske trug, konnte ich ihre Lippenbewegungen nicht sehen und kam zunächst nicht voran. Erst als die Logopädin die Maske abnahm und ich sah, wie sie ihre Lippen bewegte, machte ich sehr schnell Fortschritte beim Sprechen. Ich hatte zweimal täglich ein Logopädietraining und machte auch Übungen für mich.

Außerdem hatte ich eine intensive Bewegungstherapie und bin schon damals selbst aufs Laufband gegangen, um ganz langsam zu gehen.

Die Umgebung von cereneo direkt am See zwischen den Bergen hat eine sehr beruhigende Wirkung, die mich geerdet und mir gleichzeitig viel Kraft gegeben hat.

 

Woher hast du deine Energie geschöpft?

Ich wollte so schnell wie möglich wieder für meine Kinder da sein und die Therapeuten haben mich super unterstützt, aber ich war auch sehr ehrgeizig und motiviert.

Die Krankenschwestern waren immer hilfsbereit und für mich da, wenn ich ein Tief hatte und etwas Aufmunterung brauchte.

Ich hatte zwei Möglichkeiten – kämpfen oder aufgeben und für mich gab es nur kämpfen!

 

Wie lange waren Sie in der Reha und in welchem Zustand haben Sie die Reha verlassen?

Mein erster Reha-Aufenthalt im cereneo war während des ersten Corona-Lockdowns vom 6. März bis 29. Mai 2020. Ich konnte wieder laufen und sprechen. Trotzdem hatte ich Angst, wieder alles alleine bewältigen zu müssen. Auf die Kinder aufpassen, für sie da sein, kochen, einfach den Alltag bewältigen. Bevor ich die Klinik verließ, habe ich gemeinsam mit einer anderen Patientin für das cereneo-Team und die Patienten gekocht. Das war mein Test, um zu sehen, ob ich es zu Hause schaffen würde. Es hat gut geklappt!

Am Anfang haben mich meine Eltern und mein Bruder zu Hause sehr unterstützt. Aber ich habe den Alltag schnell wieder in den Griff bekommen. Ich werde nur noch sehr schnell müde.

 

Was kommt jetzt für Sie als nächstes?

Wie und ob ich in meinen Arbeitsalltag zurückkehren kann, ist noch offen. Ich habe durch die Therapie so viele Fortschritte gemacht und mein zweiter Aufenthalt bei cereneo im Mai 2021 hat mir gezeigt, dass ich mich noch verbessern kann. Es braucht nur Zeit.

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