

Die Folgen eines Schlaganfalls werden häufig mit körperlichen Beeinträchtigungen wie Lähmungen in Verbindung gebracht. Eine weniger bekannte Beeinträchtigung ist die Aphasie.
Aphasie ist eine Sprachstörung, die häufig nach einem Schlaganfall auftritt. Sie beeinträchtigt die Fähigkeit, gesprochene und geschriebene Sprache zu verstehen und zu produzieren. Betroffene haben Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Die Bedeutung von Wörtern kann vergessen werden, und komplexe sprachliche Strukturen sind oft schwer zu verarbeiten. Menschen mit Aphasie verstehen ihre Umgebung und die allgemeine Situation oft richtig, können sie aber nicht beschreiben oder in Worte fassen. Beispielsweise weiß ein Patient mit Aphasie vielleicht, dass es am Flussufer ein Ufer gibt, an dem man sitzen und die Aussicht genießen kann, versteht aber den Begriff „Ufer“ dafür nicht. Es ist vergleichbar mit dem Erlernen einer neuen Sprache, bei der die Bedeutung eines Wortes variieren kann, die Objekte und ihre Verwendung aber gleich bleiben. Beispielsweise könnten sie das Wort „Bank“ als Finanzinstitut interpretieren, in dem Geld sicher aufbewahrt wird.
Die Diagnose einer Aphasie nach einem Schlaganfall erfolgt mit verschiedenen Methoden. Im Mittelpunkt steht die funktionelle Diagnostik, bei der die Sprachfähigkeiten des Patienten untersucht werden. Dazu gehören das Wiederholen von Wörtern und das Benennen von Bildern, um das Sprachverständnis zu testen. Standardisierte und normierte Tests wie der Aachener Aphasietest (AAT) helfen, den Schweregrad der Aphasie und die betroffenen Sprachbereiche zu bestimmen. Diese Tests beinhalten Aufgaben zum Satzverständnis sowie zum Lesen und Schreiben.
Die Sprachtherapie bei Aphasie verfolgt sowohl kurz- als auch langfristige Ziele. Kurzfristig liegt der Fokus auf der Wiederherstellung grundlegender Sprachfunktionen. Langfristig geht es um die Teilhabe und Aktivität des Patienten im Alltag. Der Fortschritt wird durch regelmäßige Beurteilungen und Überprüfungen der Aufgaben überwacht, und die Therapien werden kontinuierlich an den Therapieverlauf angepasst, um ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen.
Die Behandlung der Aphasie verändert sich im Laufe der Rehabilitation.
Nach der Entlassung aus dem Akutkrankenhaus beginnt die Neurorehabilitation idealerweise unmittelbar. Im Mittelpunkt steht die Wiederherstellung verloren gegangener Sprachfunktionen. Dazu gehören Benennungsübungen, Schreib- und Diktatübungen sowie das Zuordnen von Wörtern zu Bildern. Durch intensives Üben und gezielte Stimulation werden so viele Sprachfähigkeiten wie möglich wiedererlangt.
In der späteren Rehabilitationsphase, wenn der Schlaganfall schon länger zurückliegt, ist die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Wiedererlangung der Sprachfähigkeit geringer als unmittelbar nach dem Schlaganfall. Dennoch besteht weiterhin die Möglichkeit, Fortschritte zu erzielen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es ist wichtig, zunächst gemeinsam mit dem Patienten und seinen Angehörigen die Hauptziele der Sprachtherapie festzulegen und anschließend intensiv an diesen Zielen zu arbeiten. Auch alternative Kommunikationsmethoden, wie beispielsweise Kommunikationsbücher, werden besprochen. Ein Kommunikationsbuch ist ein Hilfsmittel, das aus Bildern, Symbolen und Wörtern besteht und dem Patienten hilft, sich auszudrücken, wenn ihm das Sprechen schwerfällt.
Online-Therapie bietet eine Alternative zur ambulanten oder stationären Therapie. Sie ermöglicht den Zugang zur Therapie unabhängig vom Wohnort des Patienten und kann ähnliche Methoden und Übungen wie die traditionelle Therapie umfassen. Online-Therapie erlaubt es Patienten, das Training in ihren Alltag zu integrieren und jederzeit an ihren persönlichen Zielen zu arbeiten. In den vergangenen Jahren hat cereneo Erkenntnisse aus der stationären Sprachtherapie und Forschungsergebnissen gesammelt, um spezifische, weltweit zugängliche Online-Therapieprogramme für Aphasie zu entwickeln. Weitere Informationen zu Online-Therapieoptionen finden Sie hier: cereneo